Dienstag, 7. Juli 2015

Ein langes Wochenende in der griechischen Hauptstadt Athen

Als es im Januar kalt und regnerisch war, beschloss ich recht spontan, mal easyJet auszuprobieren und im Sommer mit Christyan ins warme Griechenland zu fliegen. Da ich als Kind schon auf Rhodos und Kreta gewesen war, sollte es dieses Mal eine Städtereise nach Athen sein. Damals war mir nicht klar, dass sich die politische Situation in Griechenland so zuspitzen würde . Ich verfolgte daher in den letzten Wochen die Neuigkeiten genau, wobei für mich ein Rückzieher vom subjektiven Gefühl her nicht infrage kam.

Letzte Woche wurden dann die letzten Mysteries gelöst, alle Vorbereitungen getroffen und am Freitag um 6 Uhr morgens startete die easyJet Maschine von Hamburg aus Richtung Südosten .


Während in Deutschland ausnahmsweise hochsommerliche Temperaturen von über 35°C und Sonne pur waren (allerdings mit Luft zum Schneiden), begrüßte uns Athen mit 34°C und einer leichten Brise bei trockener Luft. Richtig schön! Die erste Auswirkung der aktuellen politischen Probleme Griechenlands konnten wir schon auf dem Weg vom Flughafen zum Hotel sehen: Die Metro und auch alle Busse waren bis auf Weiteres kostenlos für alle! So sparten wir pro Person 14 EUR und konnten das ganze Wochenende die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen und brauchten uns um Tickets und Zonen keine Gedanken machen. Da die Mittagssonne ziemlich knallte, machten wir zunächst einen Abstecher ins Hotel, um unsere überflüssigen Sachen loszuwerden. Danach wurde dann das Stadtzentrum und damit auch die ersten Caches angesteuert .

Unser erster Fund in Griechenland wurde The Runner, ein Tradi auf einer Verkehrsinsel an einem interessanten Kunstobjekt:


Während wir so durch die Straßen spazierten, fielen uns recht schnell diverse Plakate und Aufkleber zum Thema Referendum in Griechenland auf. Am Sonntag sollten die Griechen abstimmen, ob sie für ("Nai") oder gegen ("Oxi") die Sparmaßnahmen, die u.a. die EU-Kommission vorschreibt, sind. So manche Oxi-Poster hatten sogar ein Portrait vom deutschen Finanziminister Wolfgang Schäuble abgedruckt und darunter "Er hat dich fünf Jahre lang ausgesaugt, deswegen stimme mit 'Nein'" stehen. Vor dem Olympischen Stadion, in dem die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit stattfanden, wurde gerade eine Bühne der "Nai" Fraktion aufgebaut und daneben Griechenland- und Europa-Flaggen verkauft.



Trotzdem war die allgemeine Stimmung der Bevölkerung meiner Meinung nach angespannt, aber friedlich. Zu uns waren alle Griechen sehr nett (auch außerhalb der touristisch überlaufenen Straßen) und im Gespräch erfuhren wir, dass die Sorge um die Zukunft groß ist. Das war auch an den Geldautomaten zu sehen, denn die Schlangen, die man zur Zeit oft im Fernsehen sieht, gibt es wirklich - ich bin den Medien gegenüber ja immer etwas kritisch eingestellt. Von den Hamsterkäufen haben wir jedoch z.B. nichts bemerken können. Die Supermärkte waren normal bis wenig besucht und es gab keine leeren Regale. Doch nun zurück zum eigentlichen Thema: Geocachen und Sightseeing in Athen.

Die erste Sehenswürdigkeit, die wir besuchten, war das bereits erwähnte Olympische Stadion. Für 5 Euro hätte man es betreten dürfen, aber wir haben dank der beiden dort liegenden Geocaches Kallimarmaro und Classic Marathon Race 42.195km Finish auch kostenlos schöne Einblicke sammeln können.



Eigentlich wollten wir danach weiter in die Nationalgärten, denn dort befindet sich u.a. ATHINA KIPOS, Athens ältester Cache, doch die Tore waren verschlossen und ein Schild erklärte, dass die Gärten aufgrund einer polizeilichen Anordnung am 3.7. geschlossen bleiben würden. Wie wir später erfuhren, lag das an einer "Oxi"-Veranstaltung auf dem Syntagma-Platz direkt neben den Gärten, die zeitgleich mit der "Nai"-Veranstaltung vor dem Stadion am Freitagabend stattfand.

Wir planten also um und besuchten die Ruinen des Zeustempels, der unter Hadrian vor knapp 2500 Jahren erbaut worden war. Von dort aus sahen wir auch zum ersten Mal die Akropolis, das Wahrzeichen von Athen.



Auf dem Weg kamen wir auch an diesen ungewöhnlich gekleideten Soldaten vorbei, die traditionell das Grab des unbekannten Soldaten bewachen und ebenfalls vor dem Proedriko Megaro, auf deutsch Präsidenten-Palais, stationiert waren. Das Gebäude selbst konnten wir leider nicht sehen, dafür aber das Zappeion, ein multifunktionales Gebäude von 1888, das zum Beispiel als Wettkampfstätte der ersten Olympischen Spiele der Neuzeit 1896 genutzt wurde.



Wir hatten uns beim Zeus-Tempel ein Kombiticket für viele historische Städten inklusive der Akropolis für 12 EUR gekauft, allerdings hat die Ruine der Bibliothek von Hadrian nur bis 15 Uhr geöffnet und so cachten wir ein bisschen in der Innenstadt. Dort gibt es dann auch die typischen Gassen, in denen es von Souvenirläden und einladenden Hotels so wimmelt.


Irgendwann fiel uns auf, dass wir scheinbar in eine Demonstration oder ähnliches geraten waren. Wie bereits erwähnt, erfuhren wir später, dass die Menschenmengen zu den Demos der "Nai"- bzw. "Oxi"-Fraktion spazierten und wir waren auf einmal mittendrin. Die Leute an sich waren zwar hektisch, aber es war friedlich, trotzdem beschlossen wir, den Rest des Abends lieber woanders zu verbringen - Stimmungen von Menschenmassen können unvorhersehbar und schnell umschlagen und das wollten wir nicht herausfordern .



Ein paar Straßen weiter war es umso ruhiger und so konnten wir uns ohne Probleme ein original griechisches Restaurant aussuchen, in dem wir leckeres Gyros und Lammkeulen essen konnten. Gesättigt und kaputt ging es dann zurück ins Hotel, die Füße begannen auch zu schmerzen. Woran das lag, sehe ich jetzt bei der Auswertung des Tracks: Am Freitag haben wir 22,7 km zu Fuß mit immerhin 360 m Anstieg zurückgelegt .


Am Samstag stand vor allem der Besuch der Akropolis auf dem Plan. Deshalb liefen wir nach einem ausgiebigen Frühstück zur Metro und fuhren bis zur nächstliegenden Station. Auf dem Weg lagen zunächst Hadrians Bibliothek und die Römische Agora (ein römisches Forum), zwei weitere Stätten, die in unserem Kombiticket inklusive waren.





Über einige verwinkelte Gassen, die eher den Dörfern auf den griechischen Inseln ähneln und die wir ohne den Cache Anafiotika nie gefunden hätten, ging es dann Richtung Akropolis.


Der Akropolis-Hügel ist 156 Meter hoch und auf ihm entstand ca. 450 v. Chr., also vor knapp 2500 Jahren eine Stadtfestung, deren Reste heutzutage das Athener Wahrzeichen sind. Suboptimalerweise war es Mittag, als wir den Eingang erreichten (auch die Eintritte für Dionysostheater und Akropolis sind im Kombiticket mit drin), aber man konnte sich gut von einem Baumschatten zum nächsten in Richtung "Gipfel" begeben und so war es auszuhalten. Netterweise kostete die 0,5 l Flasche Wasser aus dem Automaten am Eingang nur 0,35 EUR - keine Touristenabzocke also und eine gute Investition bei Temperaturen um 35°C und Sonnenschein, wobei es Samstag ein wenig bewölkt war.

Belohnt wurden wir mit einem grandiosen Ausblick über die gesamte Stadt (ein Klick aufs folgende Panoramabild vergrößert es) und vielen Infotafeln zu den Gebäuden auf dem Akropolisfelsen. Leider war das größte erhaltene Gebäude, das Parthenon, teils eingerüstet, aber trotzdem hübsch anzusehen.




Im Anschluss besuchten wir den Areopagus Hügel und den Philopappos Hügel, die direkt neben dem Akropolisfelsen liegen. Beim ersten lösten wir einen Earthcache und beim zweiten gab es einen gelösten Mystery, einen Tradi, einen Multi und einen weiteren tollen Panoramablick .



Nachmittags ging es dann noch zur Antiken Agora, einem griechischen Marktplatz, der ca. 500 v. Chr. entstanden ist und unter anderem den Tempel des Hephaistos und eine Rekonstruktion der Stoa des Attalos beherbergt. Diese Stätte hat mir abgesehen von der Akropolis am besten gefallen, da es auf dem Areal viele Ruinen, aber auch gut erhaltene bzw. rekonstruierte Gebäude zu bestaunen gibt.




Inzwischen war es früher Abend und deshalb fuhren wir zwei Stationen mit der Metro, um unseren zweiten Versuch bei den Nationalgärten zu starten, die am Vortag aufgrund der Demos geschlossen gewesen waren. Am Samstag hatten wir Glück und konnten durch die Gärten schlendern und somit auch den Virtual und einen weiteren gelösten Mystery finden. In den Gärten gibt es übrigens auch Vogelvolieren und Gehege mit Ziegen, Kaninchen und weiteren Tieren - der Eintritt ist frei.




So neigte sich auch der Samstag dem Ende zu und wir verbrachten den Abend in einem griechischen Restaurant, das weniger lecker als das vom Freitag war (TripAdvisor lügt scheinbar wirklich nicht !), aber wir wurden satt.


Nach einem Abstecher in unser Hotel, wo wir den Rucksack abluden, machten wir noch einen Abendspaziergang durchs umliegende Viertel, denn wir hatten noch ein paar offene Mysteries auf dem Zettel und außerdem etwas Zeit. Im Dunkeln in einem fremden Land durch eine waldähnliche Anlage zu wandeln, ist irgendwie unheimlich. Es schlafen dann doch einige Heimatlose auf den Picknickbänken und Jugendliche treiben ihr Unwesen, indem sie mit Autos über die Hügelstraßen jagen... ich hatte etwas Schiss, aber wir konnten die Caches trotzdem ohne Probleme finden und fielen schließlich gegen Mitternacht müde uns glücklich ins Bett.

Die Bilanz vom Samstag sind (ohne Metro-Strecken, also reine Fußwege) 20,75 km mit knapp 500 Höhenmetern, die wir überwunden hatten. Kein Wunder, dass man danach so gut schläft .


Am Sonntag stand neben dem Frühstück direkt die Reise in die Heimat auf dem Plan. Mit der Metro ging es also zum Flughafen und wir verließen Athen und Griechenland pünktlich um 11 Uhr. Deutschland begrüßte uns dann mit stickiger und schwüler Hitze, im Vergleich zum heißen und trockenen Athen unerträglich bis in die Nacht hinein. Da wären wir lieber noch länger im Süden geblieben .

In Summe haben wir 40 Geocaches gefunden (29 Tradis, 8 Mysteries, 1 Multi, 1 Earthcache und 1 Virtual), 3 DNFs und sind dabei knapp 44 km quer durch Athen gelaufen. Trotz Wirtschaftskrise in Griechenland hat uns Athen mit vielen freundlichen Menschen und einer Menge Sehenswürdigkeiten begrüßt und überzeugt, dass sich eine Reise dorthin definitiv lohnt!

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